Die  Welt auf neue Art entdecken

(aus der FUER UNS - HAFF Media, Januar 2021)

"Lesen – Spazierengehen zwischen den Seiten eines guten Buches wie im verwun-schenen Garten. Eine Oase aufsuchen im Trubel der Tage. Ein Licht anzünden in der Dämmerung“. 

Wenn Sie diese Zeilen lesen, dann haben wir den Jahreswechsel hinter uns gebracht und schreiben das Jahr 2021. Wahrscheinlich werden wir unseren Alltag auch in den kommenden Wochen mit Corona in Einklang bringen müssen. Wir werden also aller Wahrscheinlichkeit nach weiterhin gezwungenermaßen an Haus und Hof gebunden sein und dann können Bücher nicht nur einen kleinen Ersatz bilden. 

Sie wollten verreisen und waren noch nie in Florenz? Setzen Sie einfach mal wieder auf Ihre Phantasie und gehen auf Tour. Als Reiseführer empfehle ich Ihnen Irving Stone und sein Buch „Michelangelo“. Eine Reise ins Florenz des 16. Jahrhunderts. In den Wirren einer zwischen üppigem Prunk und ständigen Kriegen zerrissenen Zeit schuf Michelangelo seine unsterblichen Werke. Durch die phantastisch bildhafte Sprache Stones werden sich für Sie die Türen des mittelalterlichen Florenz ganz von selbst öffnen. 

Kindern erzählt man Geschichten zum Einschlafen – Erwachsenen, damit sie aufwachen. 

Jorge Bucay, ein argentinischer Autor, Psychiater und Gestalttherapeut hat das gesagt. Wie Recht er hat. Bleiben wir im Mittelalter mit einer Geschichte, die heute wieder beängstigend aktuell erscheint. Kaum eine Sage ist in Deutschland so bekannt wie die vom „Rattenfänger von Hameln“, der 130 Kinder aus Hameln in einen Berg führte und für immer mit ihnen verschwand. Ein Stoff für Jung und Alt, denn die Faszination, die von dieser mittelalterlichen Geschichte ausgeht, lässt sie bei Kindern und allen ehemaligen Kindern, einmal gehört, immer wieder zu einem unvergesslich, schaurigen Leseerlebnis werden. Fortgeschrittenen Lesern sollte es bei der Lektüre wie Schuppen von den Augen fallen, denn die Geschichte ist heute wieder beängstigend aktuell. Viel zu kritiklos hören da viele Bürger auf die neuen Rattenfänger und es pfeift aus allen Ecken.  

Für den „Kleinen König Dezember“, geschrieben von Axel Hacke, liegt die Kindheit am Ende des Lebens. Ob das gut ist, das müssen Sie ihn selber fragen. Er erinnert uns an eine Seite unseres Seins, die mit „abgeschlossener“ Kindheit viel zu schnell zu den Akten gelegt wird. Welcher Erwachsene träumt nicht von einer Welt, in der man alt werden und sich trotzdem manchmal wie ein Kind austoben kann. Bei ihm haben die „Kleinen“ Alten wirklich noch etwas zu sagen, mit ihrer Vergesslichkeit, dem Altersstarrsinn und ihren kleinen Zimmern, zugepackt mit lauter unnützen, schönen Träumen. Er beantwortet viele Fragen, lehrt uns öfter mal über den eigenen Tellerrand zu schauen und dabei den eigenen Gefühlen zu vertrauen. Vielleicht bräuchte jeder einen kleinen König, der ihn immer mal wieder mit den ganz einfachen, notwendigen Lebensweisheiten versorgt. Ein Buch für kleine und große Leser. 

Zum Schluss ein sehr persönlicher Lesetipp. Elli H. Radingers Buch „Die Weisheit der Wölfe“. Seit vielen Jahren bin ich „Wolfsfreund“, begründet sicherlich aus dem schlechten Leumund, den diese Tiere bei vielen Zeitgenossen haben. Märchen und Geschichte(n) haben dazu nicht unwesentlich beigetragen. Die Autorin vermittelt dem Leser verblüffende Erkenntnisse über das Leben der Wölfe. Die renommierteste Wolfsexpertin Deutschlands führt uns auf eindrucksvolle Art vor Augen, was wir von den geheimnisvollen Waldbewohnern alles lernen könnten. „Liebe deine Familie, sorge für die, die dir anvertraut sind, gib niemals auf und hör nie auf zu spielen – das sind die Prinzipien der Wölfe. Wölfe